Die Religion ist das Regelwerk, das der Mensch um eine Spiritualität aufbaut. Der Glaube ist das, was oder wem der Mensch in seinem Herzen sein Vertrauen schenkt. Beide Elemente sind aus einem Menschenleben nicht weg zu denken.
Sie sind wohl die grössten Einflussgrössen, mit denen wir es je zu tun haben werden. Genau darum denke ich, ist es enorm wichtig sie zu unterscheiden.
Ich vermute Enwicklungsethnologisch gesehen, stammt die Religion aus dem Geschlechterkampf. Irgendeinmal hat jemand eine Keule in die Hand genommen und sich auf eine Gottheit berufen, unter die sich dann alle sammeln mussten. Auf den Geschlechterkampf komme ich, weil jede Religion von Rang und Namen, ihre grosse Mühe hat mit Mann und Frau. Ein Geschlecht wird in der Religion immer unterdrückt. Es verwundert nicht, dass es meist das physisch Schwächere ist. Es lag auf der Hand, dass der Keulenschwingende sich auf eine Dritte, allem überragende Grösse berufen musste, um überhaupt mit seinen Ansprüchen an Macht und ‚Glaubwürdigkeit‘, in der Gesellschaft durchzukommen. Daraus ist dann die Kaste der Priester erwachsen, deren Aufgabe es ist über der Religion und der darin unterworfenen Gesellschaft, für Recht und Ordnung zu sorgen.
Der Glaube aber ist reine Herzenssache. Er ist mein ‚Credo‘, meine Überzeugung, nach der ich mein Denken, Sprechen und Handeln ausrichte. Wenn ich überzeugt bin, dass es keinen Gott gibt, dann ist das mein Glaube, und ich werde mich entsprechend aufführen. Der Glaube ist äusserst gefährlich. Ich kann ihm nicht entrinnen. Wir werden ziemlich haargenau zu dem werden, was wir glauben. Er ist etwas, das in unserem Un- und Unterbewussten verwurzelt ist. Glaubenssätze, die ich als 2-jähriges Kind gefasst habe, werden auch noch wirken, wenn ich meinen 100. Geburtstag feiere, sofern ich sie nicht in einer gesegneten Stunde der Erleuchtung revidiere.
Meinen Glauben zu wechseln, ist um ein Vielfaches schwieriger, als einer anderen Religion beizutreten. Viele Menschen gehören einer Religion an, ohne an sie zu glauben. Die Religion bemächtigt sich verzweifelt dem Glauben, weil sie eine Existenzberechtigung sucht. Doch jede Religion ist das Werk des Menschen, währendem der Glaube ein Werk des Geistes ist. Die Frage ist nur: wessen Geistes. Schlussendlich sind sie unvereinbar.
Es gibt einen Glauben der uns befreit und einen, der uns in das schlimmste Gefängnis stecken kann, das wir uns nur vorstellen können. Ich bin höchst fasziniert über die Kapazität des Menschen betreffend des Glaubens. Ich habe schon die verrücktesten Dinge gehört, auf was Menschen ihre Hoffnung setzen und da sind die Animisten, die sich vor einer hölzernen Statue niederwerfen noch die Harmlosesten.
Jetzt bin ich gespannt, was deine Meinung zu diesem Thema ist.