Deine Liebes - DNA
Ich habe beobachtet, dass es grundsätzlich zwei Wege gibt, wie die Liebe verstanden und gelebt wird.
Entweder erfahre ich die Liebe als einen Tausch: Ich gebe dir meine Liebe, weil du mir deine gibst. Ich gebe dir meinen Körper, aber du bist mir treu. Ich heirate dich, weil du für mich sorgst.
Das andere Verständnis ist das der Liebe, die aus sich selbst herausfliesst. Diese Menschen lieben, weil sie nicht anders können und wollen. Sie versuchen, vorbehaltlos und selbstlos zu lieben. Sie geben die Liebe als einen Vorschuss. Wenn sie beantwortet wird, umso besser. Wenn nicht, dann gehen sie einfach weiter.
Ich nenne das erste Liebesverständnis die ‚possessive‘ Liebe. Sie nimmt das Liebesobjekt in Beschlag und verwaltet es entsprechend. Damit einher kommen häufig Eifersucht und Neid, muss aber nicht sein. Der Vorteil dieser Liebe ist, dass sie klare Grenzen setzt, der Nachteil: Sie muss diese ständig kontrollieren und genau Buchhaltung führen.
Für die zweite Art der Liebes – DNA fehlt mir das passende gegenüberstehende germanisierte lateinische Wort, darum habe ich ein neues erschaffen: donativ (Lat: donatio / schenkend). Vielleicht kann ein Germanist mir da weiterhelfen. Sie ist eine Liebe, die viel risikoreicher ist. Gerade weil sie häufig selbstlos ist, verliert sich der/die Liebhaberin im Liebestaumel, was natürlich verheerend sein kann. Sie ist aber selten nachtragend und interessiert sich überhaupt nicht für den Kontostand.
Ich habe beobachtet und selber erlebt, dass die Liebes – DNA im Unterbewusstsein eines Menschen ganz tief eingegraben ist. Die Prägung findet wohl in unseren ersten vier Lebensjahren statt. Ich schätze, dass 90 % von uns mit einer possessiven Liebe erzogen wurden: „Da hast du aber eine schöne Zeichnung gemacht. Du bist ein liebes Kind.“ Oder: „Wenn du nicht gehorchst, dann habe ich dich nicht mehr lieb.“ etc. Bei Kindern unter sich kann die donative Liebe aber sehr wohl verbreitet sein.
Egal mit welcher kulturellen Prägung wir aufgewachsen sind, sehe ich, dass wir entweder ein possessives oder donatives Liebesverständnis habe, das unser ganzes Leben lang begleiten wird. Die Krux ist aber, dass sie in einer Partnerschaft nur schwer vereinbar sind.
Ich denke es lohnt sich zu prüfen, wer sich bindet. Und vielleicht wird dir jetzt auch bewusst, warum es das letzte Mal nicht geklappt hat.
Wie siehst du das?
(Solche duale Gedankenkonzepte sind immer als Hilfsmittel gedacht, um überhaupt in ein Thema eindringen zu können. Dabei kann es hilfreich sein die Dualität prägnant zu benennen. Selbstverständlich gibt es dazwischen unendliche Farbtöne.)