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  • Lachen, um nicht zu weinen …

    Diskussion · 3 Beiträge · 190 Aufrufe
    Fritz aus Edingen-Neckarhausen

    Und irgendwie ist hat sich’s ja nu auch bald ausgelacht – ist mal Schluss mit lustig, gell!?  

     

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    Wenn also das Thema ist „Lachen, um nicht zu weinen …“, dann impliziert das ja: Das Weinen soll verhindert oder gebändigt oder versteckt werden. Es soll nicht geweint werden! Und dann stellt sich sogleich die Frage: Warum eigentlich nicht? Und damit sind wir erst mal beim Thema: Was hat es denn mit dem Weinen eigentlich auf sich? Warum weinen wir überhaupt? Und: Warum mögen wir das meistens nicht?  

     

    Der Mensch ist das einzig weinende Wesen. Soweit bekannt, produziert kein Tier emotionale Tränen. Tiere jaulen, heulen, winseln usw. aber sie weinen nicht.  

     

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    Warum weinen wir Menschen? Diese Frage betrifft zum einen die Anlässe, also eigentlich: Wann weinen wir? Und zum anderen die Frage nach der Funktion oder den Funktionen.  Als Anlässe werden in der Literatur meist genannt: Verluste aller Art, also beispielsweise der Tod einer nahen Bezugsperson, Trennungen, aber auch Verlust von wichtigen anderen Dingen wie Gesundheit, Arbeit oder der Möglichkeit bestimmter Zukunftsgestaltungen, einer bestimmten Vorstellung vom Selbst.

     

    Aber warum weinen wir? Man kann natürlich wie John B. Watson (1928), namhafter Vertreter des frühen Behaviorismus, der Ansicht sein, dass Weinen schlicht unsinnig und schädlich ist, und durch zuviel Mutterliebe erzeugt werde. Watson riet dazu, Weinen selbst schon bei Kleinkindern und Säuglingen zu ignorieren, da sie sonst später sicher zu Neurotikern werden und den Rest ihres Lebens weinend bei Psychoanalytikern auf der Couch verbringen würden.  In der Literatur finden sich üblicherweise folgende Funktionen des Weinens: physiologische Funktionen, intrapsychische Funktionen und interpersonelle Funktionen.  

     

    Physiologische Funktionen:  Charles Darwin (1872) meinte beispielsweise, die Tränen seien ein Kühlsystem für durch Emotionen überhitzte Augen – also so eine Art Kühlwasser.  

     

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    Weinst Du? Warum?

    11.02.26, 04:20

Beiträge

  • Allerdings unterscheiden sich weinende von nicht-weinenden Patientinnen in den Bereichen Beziehungserleben, Emotionserleben, und Affekt-Mimik: Diejenigen, die nicht weinen, neigen in ihren Beziehungen zu wichtigen anderen signifikant mehr dazu, sich zu verschließen und den anderen zu ignorieren; sie erleben sich hingegen deutlich weniger in den Kategorien „Ich verlasse mich auf ihn“, „Ich genieße die Nähe zu ihm“ und „Ich bemühe mich, seine Eigenarten zu verstehen“. Im Bereich Emotionserleben finden wir, dass die Nicht-Weinenden signifikant mehr aggressive Emotionen erleben: Wut, Ekel, Reizbarkeit etc.

     

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    Und im mimischen Verhalten während der Interviews zeigen die Nicht-Weinenden signifikant mehr Zeichen für aggressive Affekte: mehr Ekel-Mimik, mehr Ärger-Mimik, mehr unspezifisch negative Affekte, und: sie zeigen häufiger Lächeln, allerdings gemischt mit Kontrollelementen. So gesehen können wir vorläufig festhalten, dass die Nicht-Weinenden, unabhängig von sonstigen diagnostischen Kategorien, sich als verschlossener und weniger bezogen erleben, und als deutlich aggressiver; sowohl im eigenen Gefühlserleben als auch im mimischen Affektverhalten. Der häufige Ekel (im Gefühlsbereich und in der Mimik) spricht dafür, dass die Nicht-Weinenden affektiv eher damit beschäftigt sind, irgendetwas „schlechtes“ oder „toxisches“ psychisch auszustoßen. Die allgemeine Funktion von Ekel ist ja, etwas als „schädlich“ erlebtes aus dem psychischen Binnenraum zu entfernen, loszuwerden, auszustoßen.

  • Im Unterschied dazu ist Wut, Ärger, Empörung ein öffentliches Gefühl, ein öffentlicher Affekt. Jeder Politiker, jeder Demonstrant schreit seine Wut, seinen Ärger in jede hingehaltene Fernsehkamera. Aber niemand weint in sie.

    Man weint, wenn man ein Bedürfnis hat, Schutz, Nähe sucht, aber sich auch in einer bedrohlichen Situation, Lage, Umgebung fühlt. Ich finde es sehr interessant, mir manchmal meine Umgebung, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen anzuschauen und mich innerlich zu fragen: könnte ich bei ihr/ihm weinen? Und das Ergebnis ist oft sowohl überraschend als auch interessant.

  • Experimentelle Studien zeigen, dass wir weinende Personen zwar meist nicht sehr positiv beurteilen, aber dennoch bereit sind, ihnen zu helfen und weniger aggressiv reagieren; allerdings nur, wenn wir das Weinen für situations-angemessen halten; wenn nicht, reagieren wir auf Weinen schnell aversiv und eher verärgert (Hendriks 2005).  

     

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