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  • Leidenschaft, Moral und Vernunft

    Diskussion · 13 Beiträge · 2 Gefällt mir · 351 Aufrufe
    Fritz aus Edingen-Neckarhausen

    Schon die Vor-Sokratiker verkündeten: "Man hüte sich, die Leidenschaften zu wecken." Plato war davon beeinflusst, wenn er in den Ideen hinter den Dingen das höchste sah.

     

    Aristoteles behandelt in seiner "Nikomachischen Ethik" auch Leidenschaften wie Lust, Begierde, Zorn, Freude, Hass und Eifersucht und nennt sie "Bewegungen der Seele". Er brandmarkt zwar die "Übertreibung" als "fehlerhaft" und plädiert für die Tugend als die Mitte zwischen den Extremen, hält aber die Lust durchaus für eine Leidenschaft, die dem Leben förderlich ist. "Die Frage, ob wir das Leben wegen der Lust oder die Lust wegen des Lebens begehren, mag offen bleiben. Denn beide sind so eng miteinander verknüpft, dass keine Trennung möglich ist. Ohne Tätigkeit aber gibt es keine Lust, und jede Tätigkeit wird von der Lust zur Vollendung gebracht."

     

    Mankind’s Eternal Dilemma; the Choice between Virtue and Vice, circa 1633. Painted by Frans Francken II 

    Mankinds eternal dilemma.jpg
    19.03.25, 07:04

Beiträge

  •  

    Elly:

    Naja...da spielt ja wieder die Moral eine übergeordnete Rolle.

    Und wenn eine Abweichung der Moral sehr sicher zur Bestrafung führt, ist das ein direkter Aufruf an die Vernunft und kein Wunder, dass die Leidenschaft geradezu unterdrückt wurde.

    Man war sich sicher über die Gefahr bewußt, dass man Leidenschaften nur schwer zügeln kann, wenn man ihnen Raum gibt.

    Ja genau.

    Dieser Kampf, dieses Ringen von individeller Leidenschaft und der "Domestizierung" durch die Gesellschaft, durch Moral, und die eigene Instanz, die Vernunft -

    das war schon immer, und das wird immer sein. Um so interessanter ist es, sich dass mal aus verschiedenen Blickwinkeln anzuschauen :-)

  • 20.03.25, 21:43

    Naja...da spielt ja wieder die Moral eine übergeordnete Rolle.

    Und wenn eine Abweichung der Moral sehr sicher zur Bestrafung führt, ist das ein direkter Aufruf an die Vernunft und kein Wunder, dass die Leidenschaft geradezu unterdrückt wurde.

    Man war sich sicher über die Gefahr bewußt, dass man Leidenschaften nur schwer zügeln kann, wenn man ihnen Raum gibt.

  • Dem Willen und der Vernunft wird aber ein regelnder Einfluss zuerkannt. Die Bewertung der Leidenschaften hängt also davon ab, inwieweit sie von der Vernunft kontrolliert, gesteuert werden.

     

    Diesem ausgewogenen Urteil des Thomas von Aquin stehen eine Fülle ausdrücklich negativer Bewertungen durch die Kirchenväter des Mittelalters gegenüber. Bei ihnen sind die Leidenschaften Todsünden wider Gott.

     

    Die sieben Todsünden heißen: Unmäßigkeit oder Völlerei, Zorn oder Hass, Stolz, Habsucht oder Geiz, Trägheit oder Faulheit, Müßiggang sowie Unkeuschheit oder Unzucht.

     

    Speziell der Wollust wird der Kampf angesagt. Eine allgemeine Verteufelung der Sexualität setzte im Mittelalter ein, deren Spuren bis heute nachwirken. Nicht nur Wollust als sexuelle Lust wurde verdammt, vielmehr Lust überhaupt, die Freude am sinnlichen Leben, die Erotik, ja alle Körperlichkeit. Alle Gefühle waren geläutert: Man betete die Geliebte an, verehrte ihre Schönheit und verachtete mit der Geringschätzung der Sexualität ihre Naturhaftigkeit.

     

     

    Todsünde03.JPG

    Nr. 3: Wollust (Luxuria) – ihre Höllenstrafen nach Vasari und Zuccari (16. Jahrhundert) in der Kuppel des Doms S. Maria del Fiore in Florenz.

  •  

    Elly:

    Ich unterscheide auch zwischen Bauch und Herz. Aber wenn man die Leidenschaft dem Bauch zuordnen möchte, dann muss nicht zwangsläufig das Herz dabei fehlen. Ja, Leidenschaft kann auch durch ein Gefühl entstehen, was aus tiefsten Herzen entsprungen ist. Aber die wahre Liebe ist, glaube ich, nicht immer leidenschaftlich.

    Schon aber vor allem dann, wenn sie nicht selbstverständlich, nicht einfach erreichbar ist.

    Wieder also der Punkt, dass es auch Leiden schafft und auch gerade durch das begehrende Empfinden entsteht.

     

    Es wäre aber zu begrenzt die Leidenschaft nur der Liebe zuzuordnen. Ich würde sogar in Frage stellen, ob es überhaupt damit direkt in Verbindung steht. Vielmehr würde ich die Leidenschaft eben dem Begehren zuordnen. Begehren kann man vieles, nicht nur Menschen.

    Daher fällt es mir auch gar nicht schwer über das Thema zu sprechen.

     

    Ich bin ein leidenschaftlicher Mensch - in vielen Bereichen.

    So eine Aussage bedeutet ja erstmal nur, dass man sensibel für die schönen Seiten des Lebens ist, diese zu schätzen weiß, dafür offen ist dem Raum zu geben und bewußt genießen kann.

     

    Ich finde daran nichts, was mir zu persönlich ist, oder gar peinlich sein müßte. Es sagt ja auch nichts darüber aus, wie gut ich mit dem Thema Vernunft umgehe!

    Ich gehe davon aus, dass jeder Mensch mind. eine echte Leidenschaft hat. Ob es bewußt ist, oder im Leben desjenigen present...das ist eher die Frage.

    Vielen Dank! :-)

     

    "Aber die wahre Liebe ist, glaube ich, nicht immer leidenschaftlich." - Ulrich Clement, hier aus HD, hat sogar ein Buch darüber geschrieben. Dass es so ist, ist sicher kein Einzelfall.

     

    Guter Sex trotz Liebe: Wege aus der verkehrsberuhigten Zone

     

    clement sex trotz liebe.jpg

     

    Die drei punkte, die ich weiterhin spannend finde:

     

    1. Wird die leidenschaft ins Private verbannt? Also ist private Leidenschaft erlaubt, öffentliche aber nicht?

    Aber kann man seine Leidenschaft so dosieren? Ist sie dann noch echt, also wirklich leidenschaftlich?

     

    2. Ist die Leidenschaft bei uns (unsere zeit, unsere kultur) verfemt? Wir haben öffentliche feste des konsums, des Sports. Aber wie sieht es aus mit der leidenschaft?

     

    3. Wenn man seine Leidenschaft flach hält, damit sie sozialkompatibel ist, geht das auf kosten der eigenen lebensfreude? Der eigenen Vitalität, der eigenen lebenskraft?

     

     

     

  • 19.03.25, 17:07

    Ich unterscheide auch zwischen Bauch und Herz. Aber wenn man die Leidenschaft dem Bauch zuordnen möchte, dann muss nicht zwangsläufig das Herz dabei fehlen. Ja, Leidenschaft kann auch durch ein Gefühl entstehen, was aus tiefsten Herzen entsprungen ist. Aber die wahre Liebe ist, glaube ich, nicht immer leidenschaftlich.

    Schon aber vor allem dann, wenn sie nicht selbstverständlich, nicht einfach erreichbar ist.

    Wieder also der Punkt, dass es auch Leiden schafft und auch gerade durch das begehrende Empfinden entsteht.

     

    Es wäre aber zu begrenzt die Leidenschaft nur der Liebe zuzuordnen. Ich würde sogar in Frage stellen, ob es überhaupt damit direkt in Verbindung steht. Vielmehr würde ich die Leidenschaft eben dem Begehren zuordnen. Begehren kann man vieles, nicht nur Menschen.

    Daher fällt es mir auch gar nicht schwer über das Thema zu sprechen.

     

    Ich bin ein leidenschaftlicher Mensch - in vielen Bereichen.

    So eine Aussage bedeutet ja erstmal nur, dass man sensibel für die schönen Seiten des Lebens ist, diese zu schätzen weiß, dafür offen ist dem Raum zu geben und bewußt genießen kann.

     

    Ich finde daran nichts, was mir zu persönlich ist, oder gar peinlich sein müßte. Es sagt ja auch nichts darüber aus, wie gut ich mit dem Thema Vernunft umgehe!

    Ich gehe davon aus, dass jeder Mensch mind. eine echte Leidenschaft hat. Ob es bewußt ist, oder im Leben desjenigen present...das ist eher die Frage.

  • 19.03.25, 14:29

     

    Elly:

    Zum Titel:

    Für mich steht die Moral nicht in einer Reihe mit der Vernunft und der Leidenschaft.

    Die Moral beeinflußt sicher die Vernunft und kann auch Leidenschaften bremsen. Sie ist aber von aussen indoktriniert. Im Grunde eine Prägung meiner Meinung nach und nicht gleichzusetzen mit Leidenschaft oder Vernunft, die sich aus einem heraus entwickelt.

    Man kann zwar aufgefordert werden vernünftig zu sein. Dies wäre bei fehlender echter Vernunft eher ein ausführen, als das Sein.

     

    Bezüglich der Leidenschaft, bin ich auch der Meinung, dass sie das Leben zum fließen bringt. Nicht eben wie ein stehendes Gewässer, sondern eben auch mal stürmischer mit Aufs und Abs.

    Wann fühlen wir uns wirklich lebendig? Wenn wir starke Emotionen empfinden. Zunächst mal ist das so, bis uu dem Punkt, an dem es nicht aushaltbar ist. Eann kann es kippen, wir fühlen gar nichts mehr und sind dann durch die Leidenschaft "nicht mehr lebendig".

     

    Hier wird die Wichtigkeit von Vernunft deutlich, da nur diese der Leidenschaft Einhalt gebieten kann.

    Sie ist also ähnlich wie Licht und Dunkelheit gewissermaßen von einander Abhängig, um weder zu leblos sich nur nach vernünftigen Aspekten, aber auch nicht in ständiger Aufgewühltheit und kopflos nur der Leidenschaft (die eben auch Leiden schafft) hinzugeben.

     

    Ein Zitat von Nicolas Chamfort, der sich übrigens auch mit dem Thema Moral auseinandersetzte:

     

    Durch die Leidenschaften lebt der Mensch, durch die Vernunft existiert er bloß.

     

    Ich stimme nicht zu, dass es die Mitte wäre, auf die es ankommt, da wir manchmal diesen Schubs durch die Leidenschaft brauchen um mutig zu sein, neues zu entdecken, oder sogar selbst Bedeutendes zu erschaffen.

    Die größten Künstler in der Musik, Literatur, Malerei,...sie alle hatten sicherlich viel Leidenschaft.

    Die Vernunft ist hier absolut hinderlich.

    Und so hat die Leidenschaft anderer auch große Auswirkungen auf unser Leben. Wir werden fast schon damit von aussen versorgt, wenn wir sie gerade nicht selbst in uns finden.

     

    Sie gibt wichtige Impulse im Leben und genau das ist der Antrieb für ein Weiterleben und um sich zu entwickeln. Impulse!

     

    Die Leidenschaft ist das Gas und die Vernunft ist die Bremse. Natürlich braucht es beides, sonst landet man womöglich ungebremst im Graben. Aber wie oft benutzt man die Bremse, wie oft das Gaspedal?

     

    So fahre ich auch gut in meinem Leben. Sonst kommt man nicht von der Stelle, sieht nichts auf dem Weg, weil man immer nur mit Gasgeben und Bremsen beschäftigt ist.

     

    Also...ruhig mal Gas geben, wenn es die Moral zuläßt und bremsen, wenn es wirklich angebracht ist.

    Das ist das Leben!

     

    Die kürzlich verstorbene AnNa R. von der Gruppe Rosenstolz hat einen wundervollen, sehr leidenschaftlichen Song gesungen, der das sehr gut rüberbringt.

     

    "Wir sind am leben!". Einfach mal nach dem Video suchen.

     

    Die Leidenschaft ist im Bauch und die Vernunft im Hirn. Es fehlt das Herz.

  •  

    Ulli:

     

    Elly:

     

    Und so hat die Leidenschaft anderer auch große Auswirkungen auf unser Leben. Wir werden fast schon damit von aussen versorgt, wenn wir sie gerade nicht selbst in uns finden.

    Fast? Das Internet überflutet uns mit Leidenschafts-Surrogaten bis zum nicht mehr abwinken können.

    Echte Leidenschaft von innen heraus, durch die Vernunft gut kanalisiert, ist nicht sehr häufig zu finden.

    Aber Menschen sehen sich danach, weil, wie du schreibst, sie sich dadurch lebendig fühlen. Deshalb gibt es die Leidenschafts-Surrogat-Industrie.

    Genau so ist es.

    wer damit glücklich ist, mit diesem Leidenschaftssurrogat, mit diesem fremdbestimmten Selbst, der möge damit glücklich sein.

  • 19.03.25, 13:49 - Zuletzt bearbeitet 19.03.25, 13:52.

     

    Elly:

     

    Und so hat die Leidenschaft anderer auch große Auswirkungen auf unser Leben. Wir werden fast schon damit von aussen versorgt, wenn wir sie gerade nicht selbst in uns finden.

    Fast? Das Internet überflutet uns mit Leidenschafts-Surrogaten bis zum nicht mehr abwinken können.

    Echte Leidenschaft von innen heraus, durch die Vernunft gut kanalisiert und damit uns nicht direkt in die Klapsmühle führend, ist nicht sehr häufig zu finden.

    Aber Menschen sehnen sich nach Leidenschaft, weil, wie du schreibst, sie sich dadurch lebendig fühlen. Deshalb gibt es die Leidenschafts-Surrogat-Industrie für die im Grunde eher leidenschaftslosen Menschen.

  • Sicher werden alle dazu sagen oder denken:

     

    -Ich bin leidenschaftlich, aber das zeige ich doch nicht öffentlich!

    -Leidenschaft ist privat und selbstverständlich ist meine romantische glückliche Beziehung voll davon, aber davon rede ich doch nicht mit fremden!

     

    Trotzdem kann es ein interessantes thema sein.

  •  

    Elly:

    Zum Titel:

    Für mich steht die Moral nicht in einer Reihe mit der Vernunft und der Leidenschaft.

    Die Moral beeinflußt sicher die Vernunft und kann auch Leidenschaften bremsen. Sie ist aber von aussen indoktriniert. Im Grunde eine Prägung meiner Meinung nach und nicht gleichzusetzen mit Leidenschaft oder Vernunft, die sich aus einem heraus entwickelt.

    Man kann zwar aufgefordert werden vernünftig zu sein. Dies wäre bei fehlender echter Vernunft eher ein ausführen, als das Sein.

     

    Bezüglich der Leidenschaft, bin ich auch der Meinung, dass sie das Leben zum fließen bringt. Nicht eben wie ein stehendes Gewässer, sondern eben auch mal stürmischer mit Aufs und Abs.

    Wann fühlen wir uns wirklich lebendig? Wenn wir starke Emotionen empfinden. Zunächst mal ist das so, bis uu dem Punkt, an dem es nicht aushaltbar ist. Eann kann es kippen, wir fühlen gar nichts mehr und sind dann durch die Leidenschaft "nicht mehr lebendig".

     

    Hier wird die Wichtigkeit von Vernunft deutlich, da nur diese der Leidenschaft Einhalt gebieten kann.

    Sie ist also ähnlich wie Licht und Dunkelheit gewissermaßen von einander Abhängig, um weder zu leblos sich nur nach vernünftigen Aspekten, aber auch nicht in ständiger Aufgewühltheit und kopflos nur der Leidenschaft (die eben auch Leiden schafft) hinzugeben.

     

    Ein Zitat von Nicolas Chamfort, der sich übrigens auch mit dem Thema Moral auseinandersetzte:

     

    Durch die Leidenschaften lebt der Mensch, durch die Vernunft existiert er bloß.

     

    Ich stimme nicht zu, dass es die Mitte wäre, auf die es ankommt, da wir manchmal diesen Schubs durch die Leidenschaft brauchen um mutig zu sein, neues zu entdecken, oder sogar selbst Bedeutendes zu erschaffen.

    Die größten Künstler in der Musik, Literatur, Malerei,...sie alle hatten sicherlich viel Leidenschaft.

    Die Vernunft ist hier absolut hinderlich.

    Und so hat die Leidenschaft anderer auch große Auswirkungen auf unser Leben. Wir werden fast schon damit von aussen versorgt, wenn wir sie gerade nicht selbst in uns finden.

     

    Sie gibt wichtige Impulse im Leben und genau das ist der Antrieb für ein Weiterleben und um sich zu entwickeln. Impulse!

     

    Die Leidenschaft ist das Gas und die Vernunft ist die Bremse. Natürlich braucht es beides, sonst landet man womöglich ungebremst im Graben. Aber wie oft benutzt man die Bremse, wie oft das Gaspedal?

     

    So fahre ich auch gut in meinem Leben. Sonst kommt man nicht von der Stelle, sieht nichts auf dem Weg, weil man immer nur mit Gasgeben und Bremsen beschäftigt ist.

     

    Also...ruhig mal Gas geben, wenn es die Moral zuläßt und bremsen, wenn es wirklich angebracht ist.

    Das ist das Leben!

     

    Die kürzlich verstorbene AnNa R. von der Gruppe Rosenstolz hat einen wundervollen, sehr leidenschaftlichen Song gesungen, der das sehr gut rüberbringt.

     

    "Wir sind am leben!". Einfach mal nach dem Video suchen.

    Das sind tolle und richtige Sachen die Du sagst.

    Ganz sicher stimmen die, aber egal, ganz sicher machst du es richtig für dich.

    Es gibt auch immer wieder etwas neues dazu zu lernen.

    etwas, das mich zur zeit interessiert, ist, wie Leidenschaft in der europäischen geschichte behandelt wurde, und ich werde auch noch mehr dazu schreiben.

    Alles sehr sehr interessant! :-)

  • 19.03.25, 12:02

    Zum Titel:

    Für mich steht die Moral nicht in einer Reihe mit der Vernunft und der Leidenschaft.

    Die Moral beeinflußt sicher die Vernunft und kann auch Leidenschaften bremsen. Sie ist aber von aussen indoktriniert. Im Grunde eine Prägung meiner Meinung nach und nicht gleichzusetzen mit Leidenschaft oder Vernunft, die sich aus einem heraus entwickelt.

    Man kann zwar aufgefordert werden vernünftig zu sein. Dies wäre bei fehlender echter Vernunft eher ein ausführen, als das Sein.

     

    Bezüglich der Leidenschaft, bin ich auch der Meinung, dass sie das Leben zum fließen bringt. Nicht eben wie ein stehendes Gewässer, sondern eben auch mal stürmischer mit Aufs und Abs.

    Wann fühlen wir uns wirklich lebendig? Wenn wir starke Emotionen empfinden. Zunächst mal ist das so, bis uu dem Punkt, an dem es nicht aushaltbar ist. Eann kann es kippen, wir fühlen gar nichts mehr und sind dann durch die Leidenschaft "nicht mehr lebendig".

     

    Hier wird die Wichtigkeit von Vernunft deutlich, da nur diese der Leidenschaft Einhalt gebieten kann.

    Sie ist also ähnlich wie Licht und Dunkelheit gewissermaßen von einander Abhängig, um weder zu leblos sich nur nach vernünftigen Aspekten, aber auch nicht in ständiger Aufgewühltheit und kopflos nur der Leidenschaft (die eben auch Leiden schafft) hinzugeben.

     

    Ein Zitat von Nicolas Chamfort, der sich übrigens auch mit dem Thema Moral auseinandersetzte:

     

    Durch die Leidenschaften lebt der Mensch, durch die Vernunft existiert er bloß.

     

    Ich stimme nicht zu, dass es die Mitte wäre, auf die es ankommt, da wir manchmal diesen Schubs durch die Leidenschaft brauchen um mutig zu sein, neues zu entdecken, oder sogar selbst Bedeutendes zu erschaffen.

    Die größten Künstler in der Musik, Literatur, Malerei,...sie alle hatten sicherlich viel Leidenschaft.

    Die Vernunft ist hier absolut hinderlich.

    Und so hat die Leidenschaft anderer auch große Auswirkungen auf unser Leben. Wir werden fast schon damit von aussen versorgt, wenn wir sie gerade nicht selbst in uns finden.

     

    Sie gibt wichtige Impulse im Leben und genau das ist der Antrieb für ein Weiterleben und um sich zu entwickeln. Impulse!

     

    Die Leidenschaft ist das Gas und die Vernunft ist die Bremse. Natürlich braucht es beides, sonst landet man womöglich ungebremst im Graben. Aber wie oft benutzt man die Bremse, wie oft das Gaspedal?

     

    So fahre ich auch gut in meinem Leben. Sonst kommt man nicht von der Stelle, sieht nichts auf dem Weg, weil man immer nur mit Gasgeben und Bremsen beschäftigt ist.

     

    Also...ruhig mal Gas geben, wenn es die Moral zuläßt und bremsen, wenn es wirklich angebracht ist.

    Das ist das Leben!

     

    Die kürzlich verstorbene AnNa R. von der Gruppe Rosenstolz hat einen wundervollen, sehr leidenschaftlichen Song gesungen, der das sehr gut rüberbringt.

     

    "Wir sind am leben!". Einfach mal nach dem Video suchen.

  • Dieses Leben wäre zu schade, es nicht zu leben!

  • Für die Stoiker sind Leidenschaften die Folge „fehlerhafter Verstandesurteile“, die als „unvernünftige Strebungen der Seele“ „außerhalb der Vernunft“ stehen. Hier wird eindeutig moralisiert. Leidenschaft wird grundsätzlich als unvernünftig und schädlich verworfen.

     

    Bei Thomas von Aquin wiederum schließen sich wie bei Plato sittliche Tugend und Leidenschaft nicht aus. Bei ihm sind Leidenschaften „weder gut noch böse“. Sie ergreifen sogar das geistige streben, den freien Willen, die Vernunft; sie führen aber sogleich ein Eigenleben, und zwar als „begehrfähige“ Leidenschaften wie Liebe, Verlangen und Freude, als „kampffähige“ Leidenschaft wie Wut und Zorn.

    kuss14.jpg

    Eine begehrfähige Leidenschaft – ‚The Kiss‘, artist : Konstantin Somov, 1914.

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