Schon die Vor-Sokratiker verkündeten: "Man hüte sich, die Leidenschaften zu wecken." Plato war davon beeinflusst, wenn er in den Ideen hinter den Dingen das höchste sah.
Aristoteles behandelt in seiner "Nikomachischen Ethik" auch Leidenschaften wie Lust, Begierde, Zorn, Freude, Hass und Eifersucht und nennt sie "Bewegungen der Seele". Er brandmarkt zwar die "Übertreibung" als "fehlerhaft" und plädiert für die Tugend als die Mitte zwischen den Extremen, hält aber die Lust durchaus für eine Leidenschaft, die dem Leben förderlich ist. "Die Frage, ob wir das Leben wegen der Lust oder die Lust wegen des Lebens begehren, mag offen bleiben. Denn beide sind so eng miteinander verknüpft, dass keine Trennung möglich ist. Ohne Tätigkeit aber gibt es keine Lust, und jede Tätigkeit wird von der Lust zur Vollendung gebracht."
Mankind’s Eternal Dilemma; the Choice between Virtue and Vice, circa 1633. Painted by Frans Francken II
