„Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem andern zu. “ Die moderne Übersetzung aus der Bergpredigt, In Matthäus 7,12 sagt Jesus: "Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten."
Wer will belogen werden?
Wer will hintergangen werden?
Wer will benutzt werden?
Wer will betrogen werden?
Ich vermute mal, niemand.
Warum aber machen "wir" das immer wieder mit anderen?
Bei meiner Recherche für mein Buch bediente ich mich u.a. der Nutzung diverser "Dating Apps", um mir ein Bild zu machen, weshalb es so viele Suchende gibt und was diese suchen.
Egal welche App man auch zur Hand nimmt, es ist überall das gleiche Schema.
- Der Nutzer erstellt ein Profil von sich und legt es in die Warenauslage
- Viele Profile sind fake, unehrlich, bewußt täuschend, geschönt oder poliert
- Andere Profile erwecken den Eindruck einer reinen Selbstdarstellung um auch hier "klicks" für`s Ego zu generieren
- Sicherlich gibt es nicht minder viele ehrlichen Profile
Zunächst einmal ist wohl jeder, der sein Profil in die Warenauslage legt, ein Suchender welcher gefunden werden will oder selbst finden will; ergo, ein Bedürftiger, welcher auf einen bedürftigen treffen wird/kann.
Nun kommt aber die Sache mit der Ernsthaftigkeit, der Ehrlichkeit und der Offenheit.
- In den meisten Profilen steht etwas in der Art wie: Ehrlichkeit und Offenheit sind mir wichtig
- Einige der Suchenden verstecken sich aber hinter Sonnenbrillen, Motorradhelmen, Skihelmen; Fotos aus weiter Distanz oder auch sehr beliebt, hinter Sprüchen, Naturaufnahmen oder Tiermotiven.
- Manche Nutzer schummeln oder lügen mit Entscheidungskriterien wie Alter, Größe, Gewicht - Figur oder allgemein was die Lebenssituation betrifft
Nun stellt sich mir die Frage, wie paßt das zusammen?
Wenn jemand mit Tatsachen zu seiner Person schummelt aber auf Ehrlichkeit und Offenheit beim Gegenüber Wert legt, was soll da rauskommen?
Interessant finde ich auch immer wieder, wie so mancher Suchende in Kontakt tritt bzw. in Kontakt treten möchte.
- Und, was geht?
- Moin, schönen Tag
- Was machst du beruflich?
- Auch gerne verwendet, copy and paste ...
„Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem andern zu. “
Suchende legen sich freiwillig in die Warenauslage, in der Hoffnung, ein anderer Suchender findet einen um aus dieser Warenauslage endlich rauszukommen.
Manche suchende empören sich aber, mit welch einer Oberflächlickeit begutachtet wird, wie oberflächlich angeschrieben wird; obgleich sie selbst ähnlich oberflächlich nach links wischen - nachdem das augenscheinliche gescannt wurde.
Oftmals schwingt das "WER" bist du im Vordergrund und nur selten das "WAS" bist du. Mit "WER" werden die "Fakten" gefiltert (Alter, Größe, Figur, Hobbys, Status, gesellschaftlicher Stand etc) doch selten wird das "WAS" erkundet. Das "WAS" ist nämlich der Mensch per se.
Fazit: Was ist man bereit zu geben? Was bringt man selbst mit? Welche Lücke in mir soll ein anderer füllen und weshalb fülle ich diese Lücke nicht selbst?
Seit "Geiz ist geil" und "Ich bin doch nicht blöd" sind wir, aus meiner Sicht, in einer Nehmer Gesellschaft angekommen welche stets nach Optimierung strebt, welche auch vor zwischenmenschlichen Beziehung nicht halt macht.
Das gute ist der Feind des besseren ....