Um mitzumachen, melde dich bitte an.
  • Netter Mensch, leichtes Opfer?

    Diskussion · 11 Beiträge · 14 Gefällt mir · 760 Aufrufe

    Wir alle wollen fair behandelt werden – in Freundschaften, in Beziehungen, im Job. Doch oft merken wir zu spät, dass wir ausgenutzt werden. Warum fällt es manchen Menschen schwer, „Nein“ zu sagen? Warum nehmen andere ohne schlechtes Gewissen? Und vor allem: Wie können wir uns schützen, ohne unser Mitgefühl zu verlieren?

     

    Hast du schon einmal das Gefühl gehabt, dass jemand nur nimmt, aber nichts zurückgibt? Warst du selbst in der Rolle des „Netten“, der am Ende leer ausgeht? Oder hast du vielleicht unbewusst von der Gutmütigkeit anderer profitiert?

     

    Lass uns offen über Erfahrungen, Muster und Auswege sprechen. Wann wird Freundlichkeit zur Schwäche – und wie finden wir die Balance zwischen Helfen und Selbstschutz?

    Thomas Kissing 

    10.03.25, 15:38

Beiträge

  • 13.03.25, 06:55

     

    Andrea:

    Ich differenziere zwischen empathischen Menschen und people pleasing. Letzteres ist eine Trauma Reaktion.

    PP stellen eigene Bedürfnisse hinten an um Konflikte zu vermeiden. PP ist ein Schutzmechanismus um emotionale Sicherheit zu finden.Wenn frühe Beziehungen von Bedingungen geprägt waren, dann lernen wir, dass unser Wert davon abhängt, wie zufrieden andere mit uns sind. Du hast gelernt Erwartungen zu erfüllen, um nicht abgelehnt zu werden. PP ist nicht Freundlichkeit. Es ist Selbstverrat.

    Ich stimme dir vollkommen zu, danke, dass du das so kurz und knapp zusammengefasst hast.

    Ergänzend möchte ich alles von Verena König empfehlen, auch Dami Charf kann gut erklären, hat aber eine etwas andere Art. Sie sind Traumatherapeutinnen und schlüsseln fundiert auf, was hinter dem ewigen Nettsein / People pleasing stecken kann. Ich persönlich empfinde die beiden als nicht so grob wie Stefanie Stahl, aber das ist wohl Geschmackssache. 

     

  • 13.03.25, 06:37

    so ist es - Geben und Nehmen ist ungleich - 

    die Welt ist nicht fair, gerecht, Balance beachtend...

    überhaupt: was ist fair, gerecht, ausgewogen?

    Diese Bewertungen basieren ja auf den eigenen Werten...

     

    Ich 'gebe' gerne, weil es zu mir und zu meinen Werten gehört!

    ...wie jemand damit umgeht, ist seine Verantwortung.

     

    Meine Verantwortung ist, auf mich zu achten und nicht über meine Grenzen zu gehen...

    Geben aus dem inneren Impuls heraus, in der Hoffnung, dass es dem anderen gut tut.

    Weiß ich denn, ob meine Nettigkeit gewünscht ist? 

     

    jeder gibt, wie man kann... oder nimmt, wie er kann...

    viel oder wenig, tiefgründig oder oberflächlich, egoistisch oder anteilnehmend,...

    ... individuell eben!

     

    kann ich mich darin annehmen? den anderen darin annehmen?

     

    manchmal entwickelt sich ein gemeinsames Geben und Nehmen...

    manchmal bleibt es bei einer freundlichen Geste und jeder geht seinen eigenen Weg weiter...

     

    aber freundlich sein... bleibt, als mein Wert!

  • 10.03.25, 21:45

    Bei nett oder lieb kommt es wohl auf den Zusammenhang an ob das ehrlich oder sarkastisch gemeint ist.

  • 10.03.25, 21:39

    Zum Thema "Nett".

    Wenn ich etwas oder jemanden als NETT bezeichne, dann meine ich genau das; lieb/liebenswürdig/ wohlwollend, mir gefallend oder mir angenehm. Es war stets ein äußerst positives Wort.

    Wenn ich dann aber  als Antwort den Satz  zu hören bekomme "Nett, ist der kleine Bruder vom Arschl..."   dann platzt mir der Kragen.

     

    Es ist wirklich traurig, wie sehr die deutsche Sprache verschandelt wird.

     

    Nett, ist ein äußerst positives Wort und ein Kompliment.

     

    Wenn mir jemand sagt, "du siehst nett aus", dann fühle ich das als Kompliment und nicht als Beleidigung.

     

    Aber heute reichen kleine Worte und kleine Gesten nicht mehr, es muss stets das Superlativ sein.

     

    Traurig, wirklich traurig.

  • 10.03.25, 20:39

     

    Thomas:

    undefined

    Ich verbinde das Wort „nett“ überhaupt nicht mit dem Opfern. Ich kenne viele Menschen, welche auf netterweise „NEIN“ sagen können, hilfsbereit sind und gleichzeitig sich von „Ausnutzern“ abgrenzen können.

  • 10.03.25, 20:34

    Ich mache seit vielen Jahren die Erfahrung, daß immer wenn ich helfe oder spontan ,,nach Gefühl" unterstütze, es immer von ganz anderer Seite zurückkommt. Dort  wo man es nicht erwartet, deshalb erwarte ich es auch nicht von der Person, der ich (immer gerne) helfe. Ich liebe es zu helfen, es macht mich glücklich und die, denen geholfen wird ebenfalls. Ich habe deshalb auch einen helfenden Beruf. Mir ist es lieber  manchmal von Menschen ,,ausgenutzt" zu werden, als vielleicht die falschen Menschen vor den Kopf zu stoßen. Selbst wenn ich mich manchmal über ein bisschen,,Ausnutzen" ärgere, überwiegt doch meist die Freude!

  • 10.03.25, 20:19
    ✗ Dieser Inhalt wurde von Michael wieder gelöscht.
  • Ich habe nach der Erkenntnis meines Helfersyndroms mir angewöhnt immer folgende Frage zu stellen:

    Helfe ich, weil ich es von mir aus möchte oder helfe ich, weil ich die Dankbarkeit des anderen erhoffe? 

    Bei dem ersten bin ich frei zu entscheiden und kann nicht ausgenutzt werden, weil ich die Tätigkeit gerne mache. Beim zweiten, lasse ich mich ausnutzen, weil ich mir dadurch etwas erhoffe. Wenn ich merke, es ist das zweite, sage ich inzwischen auch nein. Manchmal fällt mir das schwer, vor allem bei nahestehenden Menschen. Dennoch schaffe  es zunehmend die Bedingung zu schaffen, die ich brauche, um mich gut zu fühlen.

    Von Personen, die sich bei mir nur melden, weil sie gerade mich brauchen, nehme ich inzwischen Abstand.

     

    Das Wort „der Nette“ degradiert übrigens die Person auf jemanden, über den es nicht viel zu sagen gibt, dessen Wert in der Gemeinschaft nicht sehr hoch angesehen wird. Wäre da nicht die Frage zu stellen, was bringt Menschen dazu andere auszunutzen? Doch die Tatsache, dass einer danach lechzt, dass er für anderen eine Bedeutung bekommt und welches er durch seinen ewigen Bereitschaftsdienst versucht zu erlangen. Erst dann kann er ausgenutzt werden und erst dann kommt doch die Enttäuschung, dass er leer ausgeht.

  • 10.03.25, 19:45

    Ich differenziere zwischen empathischen Menschen und people pleasing. Letzteres ist eine Trauma Reaktion.

    PP stellen eigene Bedürfnisse hinten an um Konflikte zu vermeiden. PP ist ein Schutzmechanismus um emotionale Sicherheit zu finden.Wenn frühe Beziehungen von Bedingungen geprägt waren, dann lernen wir, dass unser Wert davon abhängt, wie zufrieden andere mit uns sind. Du hast gelernt Erwartungen zu erfüllen, um nicht abgelehnt zu werden. PP ist nicht Freundlichkeit. Es ist Selbstverrat.

  • 10.03.25, 19:17

    Auch ich kenne das, nicht NEIN oder STOP sagen zu können und habe  zum Teil bitter dafür bezahlen müssen.

     

    Als mein Leidensdruck aber unerträglich wurde, begriff ich die ewig gleichen Muster und Fallen.

     

    Ich begann mich mehr denn je, mich unter mein eigenes Mikroskop zu legen und mich schonungsloser denn je, zu analysieren.

     

    Bei mir WAR das in meiner Kindheit angelegt worden.

     

    Meine Mutter war das 21. Kind ihres Vaters, mit dessen dritter Ehefrau. Die Mutter meiner Mutter war also nicht die Erste Wahl, sie war ein Ersatz ...  eine Nachfolgerin.

    Meine Mutter kam in allen Belangen stets zu kurz, viele waren stets vor ihr dran.

     

    Mein Vater wurde während der Feldarbeit geboren, sein Vater im Rußlandkrieg und seine Mutter war alleine auf sich gestellt.

     

    Alleine diese kurze Historie zu wissen u zu verstehen war und ist für mich erhellend.

    WER waren meine Eltern und wie waren diese geprägt!!!

     

    Ich wäre nicht zur Welt gekommen, hätte mein tot geborener Bruder nicht den Platz für mich frei gemacht.

    Mein Bruder, geboren vor diesem tot zu Welt gebrachten Geschwister, war ungewollt.

     

    Meine Eltern liebten sich nicht, es war eine Zweckgemeinschaft. Mein Bruder und ich kämpften unwissentlich um deren Gunst.

     

    Das alles und vieles mehr prägte mich, ein braves - liebes - fleißiges -etc Mädchen zu sein, welches geliebt werden will.

     

    Ergo, wenn man alles für andere macht, zu allem JA sagt etc, wird man gemocht.

     

    Dank Stefanie Stahl, Robert Betz, Eric Berne, Fromm u.v.a. kluge Menschen, habe ich mich freigestrampelt bzw bin noch immer dabei, zu meinem wirklichen ICH zu finden.

     

    Ich begann eine Challenge, mit mir selbst.

     

    Wann immer ich mich überwinde und NEIN oder STOP sage, belohne ich mich und bereite mir eine kleine / große Freude. 

    Das funktioniert! Das Gehirn wird umprogrammiert!

     

    Manchmal sage ich sogar NEIN, obgleich ich von Herzen gerne JA sagen möchte.

     

    Aber, es funktioniert nicht immer und nicht in allen Lebenssituationen.

     

    Es gibt einfach auch berechnende Menschen, Player, Egoisten, Narzisten etc ... welche gut darin, sind die Schwachstellen anderer zu finden und diese dann für sich auszubeuten.

     

    Das ist leider ein Teil des Spiels, des Lebens.

     

    Ergo: Gucke wer Deine Eltern sind und welche Prägung diese haben/hatten.

    Gucke, weshalb Du diese Prägung hast.

    Fordere Dich selbst heraus und belohne Dich für ein NEIN.

     

    Was das Leckerli für den Hund oder Katze ist, um zu lernen , scheint bei uns auch zu funktionieren;-)

    Traurig, aber wahr.

    LG Manuela 

  • 10.03.25, 15:48

    Ich kenne das Gefühl, nicht Nein sagen zu können – aus Angst, abgelehnt zu werden, nicht mehr dazuzugehören. Besonders in meiner Jugend habe ich das erlebt. In meiner Clique war Rauchen ein Zeichen von Coolness und Stärke. Wer nicht mitmachte, war der Schwache. Ich wollte dazugehören, aber gleichzeitig fühlte ich mich unwohl bei dem Gedanken, etwas gegen meine Überzeugung zu tun. Am Ende habe ich es nicht getan – und wurde trotzdem zum Außenseiter.

     

    Wir sind soziale Wesen, es liegt in unserer Natur, füreinander da zu sein. Manche Menschen stellen ihre eigenen Bedürfnisse ständig hinten an, um anderen zu helfen – bis zur Selbstaufgabe. Und dann gibt es diejenigen, die nur nehmen, ohne je etwas zurückzugeben. Egoismus in seiner reinsten Form.

     

    Ich habe lange gebraucht, um eine Balance für mich zu finden. Ich möchte helfen, aber nicht auf Kosten meiner eigenen Energie und meines Wohlbefindens. Das bedeutet auch, Nein zu sagen, Grenzen zu setzen – und die Konsequenzen auszuhalten. Ja, es kann sein, dass sich jemand enttäuscht zurückzieht. Aber wenn eine Beziehung nur funktioniert, solange man sich selbst aufopfert, dann ist es keine, die es wert ist.

     

    Wie seht ihr das? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie geht ihr damit um?

    Thomas Kissing 

Interesse geweckt? Jetzt kostenlos registrieren!

Du bist nur einen Klick entfernt. Die Registrierung dauert nur 1 Minute.